Auszeit vom anstregenden Alltag

Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen immer gefragter – Diakonie stellt sich den wachsenden Anforderungen.
Bild von der Ferienfreizeit Hergarten. Bild der Ferienfreizeit in Hergarten 2011.
Kreis Euskirchen – Ein Ausflug nach Maastricht, ein Bowling-Abend, eine abenteuerliche Wildnis-Werkstatt im Nationalpark – für die Jugendlichen mit Behinderungen der Sommerfreizeit der Diakonie Euskirchen waren dies Höhepunkte der zehntägigen Maßnahme. Während die Jugendlichen im Alter von 13 bis 23 Jahren, bestens betreut in ihrem Standort Hergarten, ihre Ferien genossen, hatten Eltern und Geschwister Zeit zum Luftholen und Kräftesammeln.

„Cool“ sei es gewesen, sagte der 15-jährige, auf den Rollstuhl angewiesene Daniel am letzten Tag. „Es waren super-schöne Tage, die Kids hatten viel Spaß“, bestätigte Carsten Cremer. Er ist angehender Heilerziehungspfleger bei der Diakonie und leitete, gemeinsam mit Tobias Gerhards zum ersten Mal eine Ferienfreizeit. Kein Wunder: In Hängematten im Wald schaukeln und Stockbrot backen sind Highlights, die wohl auch noch die Herzen der Größeren höher schlagen lassen. Hinzu kommt der herzliche und lockere Umgang mit den jungen Betreuern, für die das viel mehr als nur ein Ferienjob ist.

Untergebracht waren die Jugendlichen und ihre Begleiter im Jugendgästehaus des Nationalparks in Hergarten. Dabei handelte es sich um eine Gruppe Jugendlicher mit körperlichen und geistigen Behinderungen, die über eine gewisse Selbständigkeit verfügen und sich gut artikulieren können. Hier ist man darauf bedacht, den Teilnehmern ein Programm anzubieten, dass ihren Interessen entspricht und sie nicht unterfordert.

Stärker ausgeprägt sind die Behinderungen der Kinder und Jugendlichen, die zeitlich parallel eine ebenfalls zehntägige Ferienfreizeit in den Räumen der evangelischen Jugendbildungsstätte in Merzbach bei Rheinbach verbrachten. Hier war eine Intensivbetreuung gewährleistet: Jedem Teilnehmer stand rund um die Uhr ein persönlicher Betreuer zur Verfügung, dazu waren ein Springer und die Gruppenleiterin vor Ort. Hier stehen vor allem die Schwimmbadbesuche bei allen ganz hoch im Kurs, sind diese doch bei Familien mit schwerstbehinderten Kindern wegen des enormen Aufwands eher selten angesagt. „Vor allem in Merzbach merkt man, wie anstrengend der Alltag für die Eltern sein muss und wie wichtig es für sie ist, die behinderten Kinder und Jugendlichen einmal abgeben zu können“, sagt Nadine Günther, stellvertretende Geschäftsführerin der Diakonie Euskirchen sowie Leiterin des Fachbereichs Integrationshilfen. Gemeinsam mit Kollegin Andrea Kalucki plant und organisiert sie die Ferienmaßnahmen, die der Familienunterstützende Dienst (FUD) der Diakonie seit nunmehr fast 25 Jahren anbietet.
Dazu zählten allein in den Sommerferien 2011 eine Stadtranderholung für Kinder ohne Behinderung mit erstmals drei integrativen Plätzen, sowie jeweils eine Stadtranderholung für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung in Euskirchen und Blankenheim. Zusätzlich wurden zwei Sommerfreizeiten für selbständige Jugendliche, zwei Merzbach-Freizeiten für Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Betreuungsbedarf und rund 30 Einzelbetreuungen in Familien durchgeführt.

„Der Bedarf ist steigend, und auch die Anforderung an das Diakonische Werk werden immer größer“, lautet ihr Fazit. Trotz steigender Nachfrage mussten kaum  Absagen erteilt werden, weil das Angebot ständig erweitert wird. „Es melden immer mehr Eltern von Kindern mit einer schweren Behinderung  ihre Kinder zu Ferienmaßnahmen an, so dass der Pflegeaufwand größer wird“, so Nadine Günther.Vor allem für die Betreuer der Merzbach-Freizeiten bedeutet dies einen Dauereinsatz rund um die Uhr. Doch weder der anstrengende Job noch die Tatsache, dass die Betreuer lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten, lassen es an Bewerbern mangeln. Eher das Gegenteil ist der Fall. Nadine Günther: „Wir haben kein Problem, Schüler oder Studenten zu finden, die den Job machen wollen. Das funktioniert über Mund-zu-Mund-Propaganda.“  Viele bewerben sich jedes Jahr wieder, nicht selten wird ein Praktikum fürs Studium daraus. Oder sogar eine Berufung. „Wir hatten auch schon den angehenden Maschinenbau-Studenten dabei, der so begeistert von der Arbeit mit den Menschen mit einer Behinderung war, dass er umgesattelt hat“, berichtet Günther.Schon jetzt planen sie und Andrea Kalucki die Maßnahmen für 2012, das Jahr, in dem die Diakonie Euskirchen ihr 50-jährigs Bestehen feiern wird. Anmeldungen zu den einzelnen Ferienangeboten sind ab Januar möglich. Beim FUD rechnet man erneut mit wachsenden Teilnehmerzahlen. „Das Vertrauen in die Arbeit, die unsere geschulten Betreuer leisten, wächst. Auch Eltern, für die es früher undenkbar gewesen wäre, ihr schwer behindertes Kind mit uns in die Ferienmaßnahmen zu schicken, tun dies mittlerweile mit ruhigem Gewissen und genießen die Auszeit“, freuen sich die beiden Diakonie-Mitarbeiterinnen.

Bild von der Stadtranderholung Euskirchen.

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